Endokrinologie
Diabetes insipidus: Diagnose
Definition
Polyurie aufgrund mangelnder Fähigkeit der Niere, den Harn zu konzentrieren. Ursachen ist entweder das Fehlen (zentraler Diabetes insipidus) oder die mangelnde Wirkung (nephrogener Diabetes insipidus) von antidiuretischem Hormon (ADH = Vasopressin), gelegentlich auch die gewohnheitsmäßige übermäßige Flüssigkeitsaufnahme.
Symptome
- Polyurie (bis 15 Liter/Tagl) mit Durst und Polydipsie in der Folge.
- Bei Unfähigkeit, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen (vor allem Kleinkinder und sehr alte oder schwer kranke Personen), können Hypotonie, Hypernatriämie, Koma und Krampfanfälle auftreten.
Diagnose
- Das Vorliegen einer hypotonen Polyurie (> 3L/Tag oder 2L/m² bei Kindern) und Ausschluss von Hyperglykämie, Hypokaliämie, Hyperkalzämie sowie polyurischer Phase eines akuten Nierenversagens legt die Verdachtsdiagnose Diabetes insipidus nahe.
- Der Standardtest zum Nachweis eines Diabetes insipidus ist der Durstversuch. Dabei soll ab 24 Uhr des Vortages der Untersuchung keine Flüssigkeit eingenommen werden, wobei beachtet werden muss, dass dies bei schweren Formen von Diabetes insipidus nicht möglich ist. In diesen Fällen soll die Flüssigkeitsaufnahme so gering wie möglich gehalten werden. Ab 8 Uhr morgens werden stündlich Körpergewicht, Harnmenge, Blutdruck, Puls, Harn- und Serumosmolalität sowie Serum-Natrium-Konzentration kontrolliert, bei Ende des Tests eventuell auch die Plasma-ADH-Konzentration (Abnahme und Verarbeitung der Probe unter entsprechenden Kautelen).
Bei Gesunden bleiben Körpergewicht und Serumosmolalität weitgehend unverändert, wohingegen die Harnmenge abnimmt und
die Harnosmolalität zunimmt (auf das 2 bis 4-Fache der Serumosmolalität).
Bei Vorliegen eines Diabetes insipidus bleibt die Diurese trotz fehlender Flüssigkeitszufuhr ebenso wie die Harnosmolalität
unbeeinflusst, die Serumosmolalität steigt an und das Körpergewicht nimmt ab.
Der Durstversuch ist abzubrechen, wenn es zu einer Gewichtsabnahme von mehr als 3 % des Körpergewichts gekommen ist oder
die Harnosmolalität bei zwei bis drei aufeinanderfolgenden Sammelperioden unverändert bleibt.
- Zur Unterscheidung zwischen zentralem (Fehlen von ADH) und renalem Diabetes insipidus (fehlende Wirkung von ADH an der Niere) werden dann 4 µg 1-Desamino-8-D-Arginin-Vasopressin (DDAVP, Desmopressin) i.v. oder subkutan verabreicht und nach einer und zwei Stunden erneut Harn- und Serumosmolalität gemessen.
Beim Diabetes insipidus centralis steigt die Harnosmolalität nach exogener ADH-Gabe an (um mehr als 50 %), bei der renalen
Form bleibt sie unverändert.
- Bei der psychogenen Polydipsie kann die Harnosmolalität beim Durstversuch gering zunehmen, exogene AVP-Verabreichung führt aber zu keinem weiteren Anstieg. Selten ist zur Differenzierung ein Kochsalzinfusionstest erforderlich.
- Beim zentralen Diabetes insipidus muss jedenfalls durch eine MRT der Hypophyse das Vorliegen einer Raumforderung im Bereich der Hypothalamus-Hypophysen-Region ausgeschlossen werden.
Diabetes insipidus - Ursachen
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zentral
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nephrogen
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psychogen
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| Raumforderung im Hypothalamus-Hypophysen-Bereich | familiär | Polydipsie (= gesteigertes Durstempfinden) |
| Hypophysenadenom, Craniopharyngeom, Meningeom, Lymphom, Metastasen | Mutation im Vasopressin Rezeptor-2 Gen oder im Aquaporin-2 Gen | |
| Trauma | tubulointerstitionelle Nierenerkrankungen | |
| idiopathisch | Amyloidose, Sichelzell-Anämie, Polyzystische Nierenerkrankung, obstruktive Uropathie | |
| granulomatöse Erkrankung | Medikamente | |
| Sarkoidose, M. Wegener, Histiozytosis X | Lithium, Vincristin, Amphotericin B, Demeclocyclin, Methoxyfluran | |
| infektiös | Schwangerschaft | |
| Tuberkulose, Syphilis, Meningitis, Encephalitis | Elektrolytstörungen | |
| Autoimmunhypophysitis |
Hyperkalzämie, Hypokaliämie |
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| ischämisch | ||
| Sheehan-Syndrom, Hirntod | ||
| angeboren | ||
| familiär, septooptische Dysplasie |
Letztes Update:26 Februar, 2009 - 15:48






